Zusatzbezeichnung Geriatrie: Weiterbildung, Gehalt und Perspektiven (2026)

Beliebte Weiterbildung für Fachärztinnen und Fachärzte

Die Zusatzbezeichnung Geriatrie qualifiziert FachärztInnen für die medizinische Versorgung hochbetagter und multimorbider PatientInnen. Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Diagnosen, sondern Funktion, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter. Geriatrie verbindet Akutmedizin, Rehabilitation, Palliativmedizin und sektorenübergreifende Versorgung. Kurz gesagt: Geriatrie ist auch 2026 Altersmedizin mit interdisziplinärem Fokus.

Wie viele ÄrztInnen haben die Zusatzbezeichnung Geriatrie?

Nach der aktuellen Ärztestatistik der Bundesärztekammer (Stand 31.12.2024, letzter veröffentlichter Gesamtstand):

  • 3.828 ÄrztInnen verfügen über die Zusatzweiterbildung Geriatrie

  • 3.541 davon sind berufstätig

  • 928 arbeiten ambulant (davon 605 niedergelassen)

  • 2.450 sind stationär tätig

Zum Vergleich: In Deutschland gibt es insgesamt rund 581.000 ÄrztInnen, davon etwa 437.000 berufstätig. Der Anteil geriatrisch qualifizierter ÄrztInnen ist damit vergleichsweise gering.

Warum Geriatrie immer wichtiger wird

Deutschland altert. Mit steigender Lebenserwartung nimmt die Zahl hochbetagter PatientInnen mit mehreren chronischen Erkrankungen zu. Typische Herausforderungen sind:

  • Multimorbidität

  • Polypharmazie

  • Sturzfolgen

  • Frailty

  • kognitive Einschränkungen

  • funktionelle Verluste

Der Versorgungsbedarf wächst kontinuierlich, insbesondere in der stationären Akutgeriatrie, in der Rehabilitation und in der ambulanten Mitbehandlung komplexer Verläufe.

Was macht eine Geriaterin oder ein Geriater konkret?

Geriatrisch tätige ÄrztInnen:

  • führen umfassende geriatrische Assessments durch

  • koordinieren interdisziplinäre Therapien

  • optimieren Medikationspläne

  • beurteilen funktionelle Fähigkeiten

  • begleiten Rehabilitationsprozesse

  • klären Therapieziel und Prognose

  • integrieren palliativmedizinische Aspekte

Der Fokus liegt auf ganzheitlicher Medizin statt isolierter Einzelbehandlung.

Mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie spezialisiert sich eine Fachärztin oder ein Facharzt auf die besonderen Problemstellungen und speziellen Anforderungen der älteren Bevölkerung. Die Gerontologie ist als interdisziplinäre Fachrichtung zu verstehen, die Aspekte der Allgemeinen und Inneren Medizin, Rehabilitation und Physikalischen Medizin, der Orthopädie, Psychiatrie und Neurologie vereint.

Die Patienten eines Arztes oder einer Ärztin in der Altenmedizin weisen ein sehr hohes Lebensalter und meist mehrere chronische Erkrankungen auf. Diese alten, kranken Menschen haben oft wenig Perspektiven auf Besserung ihres Leidens. Eine Aussicht auf vollständige Heilung besteht nur äußerst selten. Was deprimierend klingen mag, ist dennoch für viele Fachärztinnen und Fachärzte ein Gewinn für die eigene Entwicklung. 

Die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten für eine Steigerung der Lebensqualität und die Linderung von Schmerzen ist groß. Ein herausragendes Ziel in der Geriatrie ist erreicht, wenn die PatientInnen trotz Einschränkungen ihren Alltag wieder meistern.

Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Gerontologie zeichnet dabei ein hervorragendes differentialdiagnostisches Verständnis aus. Es geht aber weit mehr als nur um das Entdecken, Behandeln und Lindern von Krankheiten: Der gesamte alte Mensch steht im Mittelpunkt inklusive des häuslichen und sozialen Umfelds.

Wo arbeiten Fachärzte mit Schwerpunkt Geriatrie?

Typische Arbeitsorte sind:

  • Akutgeriatrische Krankenhausabteilungen

  • Geriatrische Rehabilitationskliniken

  • Ambulante geriatrische Mitbehandlung

  • Palliativstationen und Hospize

  • Niedergelassene Praxen mit altersmedizinischem Schwerpunkt

Der größte Tätigkeitsanteil liegt derzeit im stationären Bereich: Fachärztinnen und Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie arbeiten meist in Krankenhäusern und Hochschulkliniken. Ein weiterer Einsatzort ist die geriatrische Rehabilitation in speziellen Kliniken, die alte Menschen nach Operationen und Stürzen wieder auf die Beine bringt. Aber auch die letzten Lebensphasen des Menschen werden von ÄrztInnen mit der Zusatzweiterbildung Geriatrie durch palliative Maßnahmen begleitet. Somit bilden Altenheime und Hospize weitere Arbeitsoptionen.

Auch eine eigene Praxis ist als Internist mit Zusatzbezeichnung Geriatrie denkbar und meist lukrativ. Die eigene Praxis bietet gute Verdienstmöglichkeiten bei festen Arbeitszeiten. Neben dem medizinischen Fachwissen muss die Ärztin oder der Arzt aber auch über ein betriebswirtschaftliches Basiswissen mit allen steuerlichen und administrativen Aspekten verfügen.

Die Einsatzbereiche in der Geriatrie bzw. Altenmedizin gliedern sich wie folgt:

  • Stationäre Versorgung

Akutgeriatrische Abteilungen in Kliniken bieten u. a. frührehabilitative Therapien nach Operationen, Palliativ- und Schmerzmedizin

  • Mobile ambulante Versorgung

Diese mobile Rehabilitation zielt auf die Versorgung hochbetagter Menschen in ihrer häuslichen Umgebung ab. Ziel ist es, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und Selbstständigkeit zu bewahren.

  • Niedergelassener Arzt mit Zusatzbezeichnung Geriatrie

Spezialisierung auf alte Menschen innerhalb einer internistischen Praxis

  • Geriatrische Rehabilitationskliniken

Speziell für sehr alte Menschen stehen geriatrische Rehabilitationen zur Verfügung, deren Fokus auf Vermeidung einer Pflegebedürftigkeit gerichtet ist.

Weiterbildung Geriatrie: Voraussetzungen und Dauer

Die Zusatzweiterbildung Geriatrie ist in der Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer geregelt. Grundlage ist die Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO).

Voraussetzungen:

  • Abgeschlossene Facharztanerkennung in den Gebieten 

    • Allgemeinmedizin
    • Innere Medizin
    • Neurologie
    • Physikalische und Rehabilitative Medizin
    • Psychiatrie
    • Psychotherapie
  • Weiterbildung an einer befugten Einrichtung

  • Prüfung bei der zuständigen Ärztekammer

Je nach Bundesland können sich Details unterscheiden. In den den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt existieren zusätzlich Facharztwege wie „Innere Medizin und Geriatrie“. Bei dieser Ausbildung werden innerhalb von 6 Jahren relevante geriatrische Inhalte mit den damit verbundenen interdisziplinären Fächern verknüpft. 

Dauer

Die Weiterbildung dauert in der Regel mindestens 18 Monate geriatrische Tätigkeit an einer anerkannten Weiterbildungsstätte.

Ausbildungsinhalte der Zusatzweiterbildung Geriatrie

  • Demographie und Altersepidemiologie
  • Biologische, soziologische und psychologische Aspekte des Alterns
  • Erkrankungen und Behinderungen im Alter
  • Multimorbidität
  • Symptomatologie
  • Funktionelle Bedeutung von Altersveränderungen
  • Therapeutische Pflege
  • Therapiekonzepte wie Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie
  • Geriatrische Screening-Verfahren
  • Geriatrisches Assessment zur Erfassung und Beurteilung von Funktionseinschränkungen wie beispielsweise Testung der Hirnfunktion
  • Diagnostische Verfahren zur Erfassung organischer, kognitiver und emotioneller Therapiemaßnahmen
  • Pharmakotherapie im Alter
  • Palliativmedizin
  • Inkontinenz
  • Dekubitus

 

Gehalt in der Geriatrie (Stand 2026)

Das Gehalt einer Fachärztin oder eines Facharztes richtet sich nach Tarifvertrag, Position und Arbeitgeber. Orientierung bieten die Tarifverträge für ÄrztInnen.

TV-Ärzte TdL (Universitätskliniken) – gültig ab 01.01.2026

Monatliches Grundentgelt:

  • AssistenzärztIn (Ä1): 5.626,91 € bis 7.222,97 €

  • FachärztIn (Ä2): 7.426,63 € bis 9.302,27 €

  • OberärztIn (Ä3): 9.302,27 € bis 10.942,53 €

  • LeitendeR OberärztIn (Ä4): 10.942,53 € bis 12.347,33 €

TV-Ärzte VKA (kommunale Krankenhäuser)

01.08.2025 bis 31.05.2026:

  • ÄrztIn: 5.609,85 € bis 7.211,07 €

  • FachärztIn: 7.404,11 € bis 9.508,74 €

  • OberärztIn: 9.274,08 € bis 10.598,97 €

Ab 01.06.2026:

  • ÄrztIn: 5.722,05 € bis 7.355,29 €

  • FachärztIn: 7.552,19 € bis 9.698,91 €

  • OberärztIn: 9.459,56 € bis 10.810,95 €

Hinzu kommen mögliche Zuschläge für Bereitschaftsdienste, Nacht- oder Wochenendarbeit.

Quellen: Tarifverträge TV-Ärzte TdL und TV-Ärzte VKA 2026

Berufliche Perspektiven für Fachärzte mit Zusatzbezeichnung Geriatrie

Die geriatrische Versorgung gewinnt durch den demografischen Wandel weiter an Bedeutung. Gleichzeitig ist die Zahl spezialisierter ÄrztInnen im Verhältnis zur Gesamtärzteschaft gering. Das eröffnet:

  • gute Beschäftigungschancen

  • wachsende Nachfrage im stationären Bereich

  • zunehmende Relevanz in der ambulanten Versorgung

  • langfristige strukturelle Bedeutung innerhalb der Versorgungslandschaft

Geriatrische Kompetenz wird künftig ein zentraler Bestandteil moderner Medizin sein.

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Stand: September 2022